Montag, 6. Juli 2015

Ja, was denn nun?


Bei meiner abendlichen Runde mit dem Hund sehe ich oft Fotografen am Feldweg stehen, die Stiftskirche im Visier. Mit tierischer Ausrüstung, riesigem Tele, meist mit Stativ, manchmal sogar mit Klappleiter, mit der sie sich dann mitten im Acker positionieren! Verbotenerweise fahren einzelne sogar mit dem Auto direkt in den Feldweg. ("Sonst müsste ich ja meine ganze Ausrüstung hierher schleppen") . Da stehen sie dann und warten auf den nächsten Zug, der natürlich mit aufs Bild muss, etwa so vielleicht:



- natürlich in anderer Bildqualität, als ich es hier mal eben mittags mit dem Smartphone geschossen habe.

Oft habe ich mich darüber gewundert. Dass man die Kirche fotografiert, wenn man sie zufällig im Blickfeld hat - ok.  Vielleicht gibt es auch vereinzelt Fotoaufträge, die diesen Standort suggerieren.
Aber den Autokennzeichen und Dialekten nach reisen manche regelrecht an, um hier ihr Bild einzufangen. Als Motiv ist die Kirche ja ganz nett, aber so aufregend, dass an manchen Abenden hier ein regelrechter Fototourismus herrscht..??? Die Kirche muss so schon tausende Male abgelichtet worden sein.

Irgendwann mal fragte ich dann doch einen Fotografen, was denn so aufregend an dieser Perspektive der Kirche sei, dass dafür regelmäßig Leute angereist kommen.

" Die Kirche? - Nein, Um die geht es hier eigentlich nicht. Die ist hier zufälligerweise nur ein guter Hintergrund. Es geht um den Zug, der gleich kommt.!"

Ich ließ mich umfassend aufklären. Es gibt Spezies, die sammeln Züge, bzw. Fotos davon.  Dabei kann es sich zum Beispiel um eine spezielle Lok handeln, vielleicht ein älteres Modell oder um eine Sonderzug mit Werbeaufschriften. Die Sammler informieren sich im Internet vorab, wann der entsprechende Zug auf welcher Strecke fährt, suchen sich auf dieser Strecke einen Punkt aus, von dem aus man den Zug gut fotografieren kann und reisen dann gezielt dorthin. Und einer dieser günstigen Punkte ist halt genau hier.

Aha. Fortan wundere ich mich nicht mehr , sondern frage Fotografen, die ich treffe nur noch oberschlau:  "Na, welcher Zug kommt den heute?"

Neulich sah ich einen (für mich) schönen Zug - er sah aus wie früher die Schienenbusse und hatte Werbeaufschriften - aber zunächst keine Fotografen. Jetzt wunderte ich mich darüber. Ein kurzes Stück weiter sah ich dann doch zwei jungen Fotografen. Da sie noch keine Anstalten machten, ihre Zelte abzubrechen, nahm ich an, sie warteten noch auf einen anderen Zug.
Ich stellte meine inzwischen übliche Frage.

Verwirrte Ratlosigkeit. - "Hä -Keine Ahnung."

"Ja, wartet ihr denn nicht auf einen speziellen Zug? Die Fotografen kommen doch immer wegen irgendwelcher Züge her."

"Nee - wir fotografieren hier nur die Kirche."





Sonntag, 5. Juli 2015

Sommerfarben Startschuss mit der Straßengalerie

Am Samstag begannen die "Sommerfarben", ein jährlich stattfindendes, zweiwöchiges Kulturprogramm der Stadt Herrenberg. Traditionell ging es los mit der Straßengalerie und dem Handwerkermarkt. Trotz der Hitze wollten wir nicht darauf verzichten der Straßengalerie auch dieses Jahr einen Besuch abzustatten.
In den kleinen Gassen der historischen Altstadt zeigten die Aussteller wieder die verschiedenartigsten Formen der Kunst: Gemälde, Fotos, Schmuck, Skulpturen und Töpferwaren.





Am meisten haben mich die Arbeiten des Fotografen Andreas Sporn inspiriert, die er in einem Gemeinschaftsprojekt mit Raimar Beck erstellt hat
Bevor ich mehr dazu schreibe, muss ich vorab etwas erklären.

Die Stiftskirche ist das Wahrzeichen von Herrenberg. Am Hang des Schloßbergs thront sie über der Altstadt und ist von weitem zu sehen, egal aus welcher Richtung man sich der Stadt nähert.
Tausendmal ist sie schon abgelichtet worden, mehr oder weniger so:


- als dominantes, Bild bestimmendes Objekt. (das Foto ist jetzt nicht gerade berauschend, aber ich nichts besseres gefunden. Ich habe sie fast nie fotografiert, da ich sie immer vor der Nase habe. Da muss ich auch mal dran denken, wenn ich ich wieder auf Motivsuche bin.)

In den Schwarzweiß Fotos des Projekts "Ansichtssachen"  wird diese Kirche nur genutzt, um einen Bezug zu Herrenberg herzustellen. Ganz klein, im Hintergrund oder im Nebel kaum zu sehen, fast zufällig ins Bild gerutscht ist sie nur am Rande der eigentlichen Hauptszenerie der Fotos zu sehen.
z.B. ist sie durch das hinter Fenster eines Pferdehängers mit Pferd zu erkennen. Oder ganz winzig zwischen dem mächtigen Säulen eines Ackerman Kunstwerkes, das in der Mitte eines Ortsnahen Kreisverkehrs steht.
Aus urheberrechtlichen Gründen verzichte ich hier im Blog auf das Einfügen der Bilder, aber ihr könnt sie unter Ansichtssachen auf der Webseite von Andreas Sporn direkt ansehen. Es lohnt sich!